Rothenburg ist judenfrei
Der von den Nationalsozialisten propagierte Antisemitismus in deutschen Kleinstädten fiel schnell auf fruchtbaren Boden, auch in Rothenburg gab es schon lange vor Hitler vereinzelt antisemitische Strömungen. Schon am 6. August 1920 hatte man die örtliche Synagoge mit Hakenkreuzen aus Teerfarbe beschmiert, was damals noch Empörung auslöste (auch in der Lokalzeitung).

 

Bei Aktionen der SA 1933 werden einige Leute in Schutzhaft genommen, darunter der Lehrer der israelitischen Kultusgemeinde, Siegmund Marx. Auch die SS soll beteiligt gewesen sein. Bei Hitlers Machtergreifung gab es 45 jüdische Bürger in der Stadt, 1937 nur noch 29 und der 28.10.1938 wird als "Freudentag der Rothenburger" in der Zeitung beschrieben, denn die Stadt gilt als "judenfrei". Der Ortsgruppenleiter Götz zitiert in seiner Ansprache einen Liedtext wie er auch am Burgtor auf einer Tafel in Dialekt zu lesen ist:
 
 

I leucht die Stroeß und Gässli o,
doezu die ganze Landwehr,
Der Herrgott hat e Wunder toe
i siech kan Jude mehr!

 


 
Schauplatz des makabren Geschehens, bei dem die Rothenburger Jugend antreten mußte, ist im Oktober 1938 die Judengasse. Im Oktober 1938, also noch vor der sogenannten Reichskristallnacht (7. November 1938) wurde der jüdische Betsaal in der Herrngasse zerstört, Einrichtungsgegenstände warf man auf die Straße.

 

Der letzte Verbleib der einst angesehenen jüdischen Geschäftsleute und Familien läßt sich nicht mehr exakt ermitteln. Einige sind noch ausgewandert, bei anderen verlieren sich die Spuren nach der Festnahme oder dem Abtransport. Es muß angenommen werden, dass auch Rothenburger Juden im KZ ihr Leben verloren haben.


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Der jüdische Geschäftsmann Westheimer aus der Herrngasse wird an einem Sonntag (vermutlich 1936) nach der Kirche von Gendarmen und SA-Leuten barfuß über den Rothenburger Marktplatz getrieben und dabei traktiert. "Ich Judenschwein wollte ein arisches Mädchen schänden!" soll auf der Tafel, die man ihm umgehängt hat, gestanden haben.

Jugend in Rothenburg
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Die in der Judengasse am 27. Oktober 1938 angetretene Schuljugend muß sich die Hetzreden der Parteiführer vom "judenfreien Rothenburg" anhören.

Steinberger
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Die Brüder Emil und Siegfried Steinberger aus der Oberen Schmiedgasse 15 in Rothenburg hatten einen Viehhandel und waren angesehene jüdische Geschäftsleute. Nach unbestätigten Aussagen von Zeitzeugen sollen sie im KZ umgekommen sein.
 

 


© 2000-2018 rolf diba, letzte Aktualisierung: 16.10.2003 10:42 Uhr

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