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Gleiche Rechte für alle Menschen

FA-Interview mit Karlheinz Böhm
 
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ROTHENBURG – An seinen einstigen Filmdrehort kehrte der berühmte Schauspieler Karlheinz Böhm, 75, zurück und schlenderte zusammen mit seiner jungen Frau Almaz, Tochter Aida und Sohn Nikolas drei Tage lang durch Rothenburg. Seit 22 Jahren ist er als Gründer von "Menschen für Menschen" hoch geachtet, hat er doch Millionen von Äthiopiern durch Hilfe zur Selbsthilfe eine neue "Hoffnung auf Morgen" gegeben. Im Gespräch mit unserer Zeitung beantwortete Karlheinz Böhm, der ein Vorbild für viele Menschen in der Welt ist, unsere Fragen.

FA: Herr Böhm, kann es sein, dass Sie in Rothenburg schon mal einen Film gedreht haben?
Böhm: Das ist so. Ich habe gestern in einer Buchhandlung einen Buchhändler kennenglernt, der sich daran erinnerte, dass ich hier 1961 den Film "Die wunderbare Welt der Gebrüder Grimm" drehte, mit Partner Laurence Harvey.

FA: Sie leben abwechselnd in der Welt der Armut und in der des Wohlstands, in Äthiopien und in Österreich. Wie kommen Sie damit zurecht?
Böhm: Ich möchte klarstellen, dass es auf diesem Planeten nur eine Welt gibt, aber immer wieder versucht zwei Welten daraus zu machen. Die Länder der ehemaligen Kolonialstaaten konnten sich nicht entwickeln, weil sie unterdrückt wurden von den heute reichen Ländern der Welt und dass man sie heute als Dritte Welt bezeichnet ist eine böse Ironie. Diese Menschen haben die gleichen Rechte und man sollte alles tun ihnen zu helfen. Es ist alles andere als wünschenswert, dass die Europäer so arm werden wie die in Äthiopien, aber ich finde es auch nicht wünschenswert, dass die Menschen in Äthiopien so im Reichtum oder Wohlstand wie bei uns ersticken würden. Denn hier sind die Maßstäbe vollkommen verloren gegangen.

FA: Ist denn vor diesem Hintergrund unsere westliche Entwicklungspolitik in der bestehenden Form falsch?
Böhm: Ich habe im Juni vor dem Entwicklungshilfeausschuss des Deutschen Bundestages einen kritischen Vortrag dazu gehalten, der zu meiner Überraschung von allen Parteien ausnahmslos positiv aufgenommen wurde. Das Ministerium heißt "für wirtschaftliche Zusammenarbeit" und das drückt aus, was wir machen müssen: zusammenarbeiten, damit sich die Staaten selbst entwickeln können.

FA: Findet nicht heute immer noch eine Art der Kolonialisierung und Missionierung statt, die andern Ländern etwas überstülpt. So wie der US-Präsident meint, am amerikanischen Wesen müsse die ganze Welt genesen? Aber möglicherweise wollen und können die Völker gar nicht mit diesem westlichen System beglückt werden, sondern es ist ganz anders..
Böhm: Das ist nicht anders, sondern genauso wie sie es sehr präzise beschreiben. Ich sehe die amerikanische Supermacht nicht nur als Macht, die sich überall dort einmischt, wo sie materielle Interessen hat. Der Irak ist einer der größten Ölproduzenten der Welt, wobei ich klar sagen muß, dass ich in keinster Weise den Diktator Husseein oder überhaupt einen Diktator für richtig halte. Ich lehne jede Diktatur radikal ab. Aber auf der andern Seite ist das was die Amerikaner als Weltpolizei treiben kein Vorbild für eine weltpolitische Entwicklung und ich hoffe, dass sich dies wieder normaliseren wird.

FA: Nochmal konkret, kann unsere Demokratie wirklich das richtige System für solche Länder sein?
Böhm: Eine sehr richtige Frage. Wir bilden uns immer ein, dass wir andern unsere Systeme aufoktruieren müssen. Weder das wirtschaftliche noch politische System, das wir aufgebaut haben - zum Teil aus dem Zwang nach dem zweiten Weltkrieg. Ich persönlich hielte z.B. eine Präsidialregierung mit einem guten Präsidenten vielleicht für tragbarer, aber auch das würde ich nie wagen den Menschen vorzuschreiben, denn sie sollen sich selbst entwickeln und eine eigene Struktur aufbauen.

FA: Haben Sie das Gefühl, dass auf ihren vielen Vortragsreisen die Botschaft auch bei der Jugend ankommt?
Böhm: Das müßten sie die jungen Leute fragen. Ich hoffe, dass es der Fall ist nach meinen jetzt 22-jährigen Bemühungen.

FA: Nach "Sissi” spielten sie 1959 den Frauenmörder in "Peeping Tom" und 1973 in Fassbinders "Martha". Beide Filme waren ihrer Zeit weit voraus und erfuhren erst in den letzten Jahren eine große Würdigung. Vielleicht ist es mit ihrer Arbeit in Afrika ähnlich und wir erkennen erst in späterer Zeit, dass das was sie dort leisten letztlich unsere eigene Zukunft sichert?
Böhm: Abgesehen davon, dass ich mir das ungeheuer wünschen würde, kann ich nicht voraussagen, ob das so kommen wird. Ich denke bei meiner Arbeit genauso wenig daran wie ich damals bei den Filmen daran gedacht habe, dass dies erst nach zwanzig Jahren anerkannt wird. Ich denke an das, was ich jetzt für die Menschen tue. Karlheinz und Almaz Böhm zusammen mit den Kindern Nikolas und Aida gestern vor dem Eingang des Hotels Mittermeier.

FA: Was ist denn nach Ihrer Ansicht gefährlicher für unsere Welt, sind es die Politiker oder vielleicht eher die Wirtschaftshaie?
Böhm: Eine interessante Frage, zu der ich meine, dass wir heute nicht mehr so wie es sich nach dem Krieg entwickelt hat, von einer demokratischen Regierung regiert werden, sondern die tatsächlichen Entscheidungen treffen heute die Wirtschaftsbosse. Die Wirtschaft hat weltweit eine ganz neue Funktion bekommen und sie bestimmt wie sich eine Gesellschaft weiterentwickelt, aber nicht mehr die demokratisch gewählten Politiker. Das wurde in den letzten Jahren mehr und mehr bewiesen.

FA: Sie haben soviel für die Menschen in Äthiopien getan, dass sie ihnen nicht nur mit Dankbarkeit, sondern auch mit Zuneigung und Liebe begegnen. Gibt es etwas, was ihnen dieses Land darüber hinaus zurückgegeben hat?
Böhm: Der äthiopische Premierminister hat als ich ihn im Regierungsgebäude besuchte gemeint "Mr. Karl, eigentlich müßte ich ihnen ja danke sagen für alles, was sie in den 22 Jahren getan haben, aber leider kann ich das nicht”. Da habe ich ihn verdutzt und verdattert angeguckt und dachte, vielleicht kommt Kritik daran, dass ich auch schon unter der Militärdiktatur dort gearbeitet habe. Aber dann erklärte er, es gäbe ein altes äthiopisches Sprichwort, das besagt, wenn ein Äthiopier etwas für sein eigenes Land tut, dann kann man ihm nicht dafür danken! Das heißt man sieht mich nicht mehr als Fremden an, so bin ich auch Ehrenbürger einer Region in Äthiopien. Aber das und die Freude und Dankbarkeit, die mir die Menschen entgegenbringen, sehe ich als Anerkennung für die vielen Spender.

FA: Viele scheinen deshalb so viel zu spenden, weil sie bei Menschen für Menschen das Gefühl haben, dass Sie ganz persönlich für die richtige Verwendung des Geldes Sorge tragen.
Böhm: Im Allgemeinen sind es oft Spendenorganisationen, wo keiner weiß, wer dahinter steht. Bei mir steht mein Name vor der Organisation, das heißt der Spender identifiziert das mit mir, was aber auch eine große Verantwortung ist. Dieser versuche ich so gut als möglich gerecht zu werden, indem ich über Wirtschaftsprüfer genau klären und nachweisen lasse, was mit jedem Euro geschieht.

FA: Wäre es nicht denkbar und sinnvoll, das Menschen-für-Menschen-Organisationsprinzip auf andere Länder zu übertragen?
Böhm: Ich glaube nicht, dass "Menschen für Menschen" als solches kopierbar ist, aber das was machbar ist auf jeden Fall. Meine Zielsetzung wäre die ganz enge wirtschaftliche Zusammenarbeit. Zum Beispiel wird eine große Bank aus dem Daimler-Chrysler-Konzern unsere Arbeit mit einem sehr hohen jährlichen Betrag unterstützen.

FA: Sehen Sie Ihr Lebenswerk gesichert, vor allem durch Ihre Frau?
Böhm: Ich sehe es auf jeden Fall gesichert durch meine Frau. Sie hat sich auf eine Art und Weise eingearbeitet wie ich das in meinen kühnsten Träumen nie erwartet hätte. Sie ist auch gewählt als meine Stellvertreterin und damit Nachfolgerin, sie ist anerkannt von allen Seiten.

FA: Sind Sie ein sehr religiöser Mensch oder durch ihre Arbeit religiöser geworden?
Böhm: Das Thema Religion ist für mich das intimste Thema überhaupt. Ich glaube es ist einfacher zu beantworten, wenn Sie mich nach meinem Sexualleben fragen. Wenn Sie aber fragen, was ich für eine Religion habe, sollten sie einfach die Arbeit analysieren, die ich mache.

FA: Herr Böhm, zum Abschluß an jemanden mit ihrer großen menschlichen Erfahrung, die Frage: Was sollten Eltern ihren Kindern vorrangig für das Leben vermitteln?
Böhm: Das schwierigste einer sogenannten Erziehung ist, den Mittelweg zwischen autoritär und antiautoritär zu finden. Das Entscheidende für mich ist, das sag ich meinen Kindern immer wieder, dass ich das, was ich ihnen vorgelebt habe oder ihnen an Traditionen übergebe, mit der größtmöglichsten Kritik sehe und sie das nur übernehmen, wenn sie glauben, dass es noch in die heutige Zeit reinpaßt.

Zur Person
Karlheinz Böhm, geboren in Darmstadt, in Dresden aufgewachsen, während des Krieges in der Schweiz, zieht 1946 mit den Eltern nach Graz und begründet bald eine große Schauspielerkarierre am Theater und beim Film (mit Romy Schneider in "Sissi", 1959 "Peeping Tom2 von Michael Powell, in den Siebzigern in mehreren Faßbinder-Filmen). Als größtes Glück bezeichnet er die Ehe mit seiner Frau Almaz aus Äthiopien, die seine Arbeit später fortsetzen soll und schon heute seine engagierte Stellvertreterin in der Hilfsorganisation ist. Lebt abwechselnd in Afrika und Österreich.

ROLF DIBA

Fränkischer Anzeiger, 26.8.2003

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Sympathisch, engagiert und überzeugend in dem, was er tut: Karlheinz Böhm.


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Karlheinz und Almaz Böhm zusammen mit den Kindern Nikolas und Aida vor dem Eingang des Hotels Mittermeier.

Fotos: © ROLF DIBA
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© 2000-2018 rolf diba, letzte Aktualisierung: 09.10.2003 14:57 Uhr

 

 

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